“Es ist alles sehr kompliziert.” – Fred Sinowatz

Samstag spätabends
Coco hoppelt fröhlich bei Fuß vom Wohnzimmer in den schmalen Schlauch der Küche, kurze Streicheleinheit, sie schnurrt, ich öffne die Tür.
Wir gehen zaghaft zwei, drei Schritte hinaus, sie sieht sich neugierig um – super!
Sie geht einen Schritt weiter, erblickt die Treppe nach oben und nach unten, Panik, retour ins Wohnzimmer in den hintersten Winkel der Couch. Mist.
Die Tür bleibt offen (das Angebot wurde gemacht, ich nehme es nicht zurück), ich setz’ mich in sicherer Entfernung im Esszimmer hin, schnapp mir den Laptop und beginne zu arbeiten, plaudere ruhig und spiele mit Maurice (dem ist – wie üblich – ja alles wurscht). Coco sitzt unter der Couch.
Maurice und die Treppe

Die Treppe weiß, rutschig und mit offenen Stufen. Perfekte Voraussetzungen – im allerschlimmsten Fall könnte er somit vom Obergeschoß via EG bis ins UG fallen. Wir haben’s lange und intensiv besprochen, auch mit der Züchterin, die Treppe wird nicht zusätzlich gesichert, Katzen sind zwar manchmal patschert (vor allem wenn’s ihre 5 Minuten haben), aber sie sind nicht suizidal veranlagt.
Maurice hat sich in den letzten Stunden dazu entschlossen zu einem Velcro-Kater zu mutieren, der klebt an mir wie ein Klettverschluss, somit optimale Voraussetzungen.
Wir gehen aus dem Wohnzimmer durch den Küchenschlauch in den Vorraum, bewundern den großen Katzenbaum, die restlichen Räume im EG und gehen dann langsam, Stufe für Stufe ins obere Geschoß. Katzenkisterl, Brunnen, Futter, Katzenbaum, Bett.
Für ihn ist die gesamte Welt ein Spielplatz und solange ich bei ihm bin, ist alles okay. Die Treppe ist noch ein bisserl fremd, aber sowohl das Obergeschoß als auch das Erdgeschoß sind super.
Die Nacht von Samstag auf Sonntag
Okay, geschlafen hab ich keine Sekunde. Das Baby hat sich’s zwischen uns gemütlich gemacht, hat sich mit den Rücken an meinen Mann gekuschelt und mir die Pfoten ins Kreuz gestemmt. Passt.
Nur nicht einschlafen, ich könnte ihm ja wehtun ..
Unten rumpelts.
iPad schnappen, Kameras checken – die Damen haben das Untergeschoß entdeckt. Es rumpelt die ganze Nacht. Coco in ihrer gewohnt analytischen Art arbeitet das erweiterte Revier ab, Bijou folgt ihr als dunkelgrauer Schatten.
Die beiden sind auch einmal kurz im Schlafzimmer, Coco niest mir ins Ohr, danach sind sie verschwunden, es rumpelt wieder irgendwo unten.
Ich bin sooo müde …
Der Sonntag

Ich bin müde, kann die Augen kaum offenhalten, die Katzen werden versorgt, ich fall’ auf die Couch und schlaf’ instant weg.
Maurice schmeisst sich zu mir, seine Tage unter der Couch sind gezählt, er kommt mittlerweile wenn man ihn ruft, der Kerl ist komplett angekommen.
Coco sitzt verschreckt unter der Couch, Bijou ist weiterhin ein Schatten, panisch zwischen Couch und … ja klar, ihr habt’s erraten, dem Untergeschoß.
Großer Mist.
Sonntag abend
Mir reicht’s, ich will nicht dass sich das in irgendeiner Art so einspielt, sie hat schon viel zulange den Platz unter der Couch als “Safe Space”, wir waren doch schon weiter.
Ich leg’ mich auf den Boden, in sicherer Entfernung, plaudere mit ihr, streichle den Teppich. Sie schaut lange, so so lange zu … und kommt.
Kommt zu mir, schnurrend als wär’ nie etwas gewesen, gibt Köpfchen und schmiert. Diese Gurrrrke. Der Abend ist entspannt, sie kümmert sich (endlich) um Maurice, geht einige Male Bijou besuchen.
Sonntag Nacht

Wir schlafen allein, die Gruppe (JA, sie haben endlich wieder zueinander gefunden) verbringt die Nacht im Wohnzimmer.
Coco kümmert sich, Bijou spielt und Maurice tapst dazwischen. Es wird.
Montag morgen
Maurice in überdrehter Spiellaune hoppelt in atemberaubendem Tempo die Säule hoch und hockt auf einmal oben im Körbchen. Suuuuuper, braver Kater! (und wie kommst da jetzt wieder runter?)
Spoiler: Er hüpft in den Korb den ich hochhalte und lässt sich runterheben.
Coco kommt kuscheln und übernimmt endlich wieder ihre “Pflichten” in der Gruppe.
Trotzdem – sie ist massiv unsicher, die letzte Stufe ins OG ist für sie eine immense Hürde, sie sitzt bereits seit einer Stunde dort und schafft diesen letzten Schritt nicht.
Und ich krieg’ jetzt endlich einen Kaffee, geh’ eMails lesen und zur Abwechslung a bisserl was arbeiten. Das mit den Fotos – sorry, aber ich fürchte fast*-uuuu9u9u9u9llllllllllllllll das wird noch dauern.
(Runter von der Tastatur Maurice!!)
PS: Und Himmel kann der furzen …
Und weil’s bereits vielfach gewünscht wurde ..

eine aktuelle Kuh wenn’s donnert (fotogen wird sie in diesem Leben wohl nicht mehr)
Und aus mir kein brauchbarer Fotograph – das mit der Ausleuchtung müssen wir noch üben.
Aber immerhin – sie spielt mittlerweile unbekümmert, das TroFu muss sie sich verdienen (Sozialschmarotzer gibt’s hier auch, sie arbeitet das Futter aus dem Turm und der Kleine holt sich alles was sie rausholt).
Und sehr gute Nachrichten: Coco ist absolut deppert auf Cosma Chicken Snacks. Und ich hab’ kein Problem mit bestechlichen Katzen 🙂
Es wird, langsam, aber es wird.
Next stop: die Kleine muss aus dem Keller raus .. und das wird wohl noch eine Herausforderung
Coco und das Stiegenhaus
Coco flaniert durch die Küche ins Stiegenhaus, dreht panisch um und flüchtet Richtung Couch.
Ich konnte sie kurz bevor sie verschwindet überzeugen dass alles okay ist (soweit vertraut sie mir aktuell bereits), sie sitzt jetzt neben der Couch am Teppich und reiht eine Übersprungshandlung an die nächste.
Irgendeine Idee wie ich ihr’s leichter machen kann?
Ich hab’ hier noch den Feliway .. den ins Stiegenhaus hängen?
Coco hat’s sehr schwer im Moment – sie ist hoffnungslos überfordert hier, will sich wohlfühlen, akzeptiert auch Zuneigung bzw fordert sie ein nur um kurz darauf wieder mit aufgerissenen Augen hinterm Fernseher zu verschwinden.
Ich sehe dass sie will, aber sie kann noch nicht, sie ist komplett zerrissen zwischen gestern und morgen.
Wie mach ich ihr den Übergang leichter?
Coco auf den Stufen
Es tut sich was, das Schema ist jetzt bereits einige Male abgelaufen:
Ich seh’ das als guten Fortschritt.

