Die ganze Welt ist Zirkus

Maurice verweigert die Nahrung? Alarmstufe ROT

Maurice (unser kleiner Staubsauger) frisst schlecht.
Egal was wir ihm unter die Nase halten .. er probiert mir zuliebe einige Bissen, sieht mich an, nascht am Trockenfutter und verlässt die Futterstation.

Die Gewichtszunahme? Erbärmlich.

Okay, es ist Zeit sich die Fakten anzusehen

  • Futteraufnahme
  • viiiiieeeel zu wenig, merkbare Veränderung in der Menge
    (manchmal ist es praktisch Programmierer zu sein, obwohl SureFeed keine API zur Verfügung stellt holt sich ein Script regelmässig die Daten in unsere lokale PostgreSQL Datenbank, die restlichen Werte kommen aus InfluxDB)
  • Futterstation ist nach der Fütterung massiv verschmutzt,
    die Futterstückchen werden nicht mehr direkt gefressen sondern rausgeholt, und dann kleinteilig in der Gegend verteilt
  • Trinkverhalten
  • SEHR okay (irgendwo war da wohl ein Kamel in der Ahnenlinie)
    diese Daten holen wir ebenfalls aus der nicht-vorhandenen SureFeed API
  • Output
  • sehr brav, regelmässig
  • wohlgeformt (kein Durchfall, keine Verstopfung)
  • Gewicht und Körperbau
  • dank unserer regelmässigen Messungen schön zu sehen:
    zu niedrig.
    viel zu niedrig.
  • die einzelnen Wirbel und auch die Rippen sind zwar aufgrund seines immer noch sehr dichten und seidigen Babyfells nicht zu sehen, aber beim Drüberstreichen erinnert es doch etwas zu sehr an ein Kluppensackerl
  • Verhalten
  • SEHR definitiv nicht apathisch
  • verspielt, aktiv, verschmust
  • verhaltenstechnisch würde man die Veränderung nicht merken
Der Gewichtsverlauf (in dunklem Siena) in Relation zur Tagestemperatur (der lachsfarbene Streifen zwischen Tageshöchst- und -tiefstemperatur), die grünen Balken zeigen die Nassfutteraufnahme, die senffarbenen das Trockenfutter.

Ist es einfach zu heiss draussen?

Eine – zugegeben sehr dezente – Korrelation zwischen Aussentemperatur und Nahrungsaufnahme ist zwar gegeben (das sieht man auch bei unseren beiden russischen Ladies), aber als Erklärung für die deutlich verminderte Futteraufnahme unseres Babykaters reicht das nicht aus.

Beissen und knabbern und Zahnpflege

Bei der regelmässigen Fellpflege (vor allem in der Brust- und Bauchregion) knabbert er liebend gern an einem meiner Finger und arbeitet sich regelrecht daran ab. Anstelle meines Fingers wird auch ein Aststückchen vom Matatabistrauch (Silver Vine) sehr gerne angenommen.

Knabbern und beissen?

Hühnerklein und vor allem Hühnerhälse besorgt .. er hat zweimal drauf rumgekaut und den Rest verweigert. Schade, aber das war dann wohl nichts.
Nachdem sich auch die beiden Damen nicht dafür erwärmen konnten, gab’s am Abend dann eben Hühnersuppe für uns zwei beide – auch nicht schlecht.

Kühl tut gut

Wenn man die Futterreste aus dem Kühlschrank etwas zu früh in die Futterschale gibt – nur ein klein wenig unter Zimmertemperatur – wird merkbar mehr gefressen.
Kühl tut gut.

Der ultimative Horror

Der Kater wird weniger statt mehr!

Besuch bei der Tierärztin

Wir packen unsere Siebensachen und werden bei unserer Tierärztin (die die Rasselbande bereits seit Geburt betreut) vorstellig.

Auf die schnelle eingepackt
  • Stuhlprobe vom Kater
    (nur um sicherzugehen dass keine Würmer ihr Unwesen treiben)
  • zwei russische Ladies in einer Transporttasche
  • Maurice in der zweiten Tasche
  • alles an Dokumentation, Statistik, Impfpässe, etc
Zwischennotiz zum Ablauf des Besuchs

Katzen in die Tasche verfrachten? Easy – sie sitzen ja sowieso ständig drin. Wenn sie nicht gerade als Transportboxen fungieren, stehen die Taschen aufgeklappt im Haus und werden gerne als Lieblingsrückzugsplätzchen genutzt.

Die Fahrt ist kurz und unkompliziert, eventuelles Maunzen wird gekonnt ignoriert, der gesamte Ausflug ist ein super aufregendes Erlebnis.

In der Praxis bei der Tierärztin (die ist übrigens absolut fantastisch – danke!) geht’s dann entspannt, ruhig, routiniert und absolut auf die Bedürfnisse der Katzen eingehend zu.

Der neugierige verspielte Maurice erkundet den gesamten Raum, die routinierte Coco kennt den Ablauf und geht mit perfektem Beispiel voran und Bijou bleibt einfach in der Tasche liegen. Kein Drama, keine Panik, einfach eine kurze Abwechslung vom Alltag. Besser hätte der erste Besuch nicht ablaufen können.

Endergebnis?

Maurice ist mitten im Zahnwechsel – Zahnfleisch entzündet, Lymphknoten arbeiten auf Hochtouren.
Kühlen war eine gute Idee,
Futter mit der Gabel kleinpürieren ebenso,
ein leichtes Schmerzmittel um über die härtesten Tage zu kommen,
wir bekommen bescheid bezüglich Stuhlprobe (das wird allerdings okay sein, war ja nur sicherheitshalber).

Ansonsten – alle drei in Bestform!

Und das Ende vom Lied?
Der Kleine marschiert zuhause stolz wie Oskar aus der Transporttasche,
direttissimo zur Futterstation und frisst sie leer. Mit Nachschlag.

Drei Tage nach dem Tierarztbesuch hat er 15 dkg zugenommen.

Bijou entdeckt sich selber

Unsere kleine Schattenkatze macht im Moment eine enorme Wandlung durch. Die ersten drei Wochen hatten wir sie ja kaum zu Gesicht bekommen, versteckt hinter Kisten im hintersten Winkel des Kellers.

Danach schloß sie sich zwar der Familie an, aber zuckte immer noch bei jedem ungewohnten Geräusch zusammen, flüchtete immer wieder in den Keller in ihren Safe Space. Die Besuche in ihrem Versteck wurden weniger und wir entdeckten endlich etwas, was sie wirklich mochte:

Die offene Terrassentür

Die erste Schranke fällt

Dafür ließ sie es sogar zu, dass man sich näherte, einen Meter von ihr entfernt (meist mit dem Kater kuschelnd) und gemeinsam nach Draussen schaute. Hier war’s manchmal sogar möglich sie vorsichtig zu berühren. Die erste Schranke war gefallen.

Ziemlich lange war das dann auch der “Familienplatz”. Am Abend saßen wir gemeinsam vor der Terrassentür (manchmal auch einen Stock höher vor der Balkontür – es machte keinen Unterschied) und ließen uns gemeinsam die Abendluft um die Nase wehen. Aktiv suchte sie keinen Kontakt.

Was uns in dieser Zeit ziemlich beruhigt hatte, war dass sie den Kontakt mit den anderen beiden sehr intensiv pflegte. Kuscheln und ausgiebige Putzsessions mit Coco (die beiden schlafen auch gerne gemeinsam ineinander verknotet in diversen Körbchen) und intensive Spiel- und Raufeinheiten mit Maurice. Wenn die beiden loslegen kann man eigentlich nur in Deckung gehen.

Bijou spielt

Die zweite Schranke fällt

Ich renne wie ein Dodel mit einem Federwedel durchs Haus und bespaße Coco & Maurice als plötzlich ein grauer Blitz von rechts durchs Bild rauscht und dann fliegen bereits die Federn.

Bijou spielt. Mit einer Leidenschaft, Eleganz, Kraft und Wendigkeit die seinesgleichen sucht.

Bijou mag auch die kleinen Kunststoffedern die sie gemeinsam mit Maurice stundenlang durchs Haus jagen kann (unglaublich wo man die überall findet – Versandhandel sei Dank – es gibt Großpackungen!)
Und wir merken immer öfter – Bijou ist eigentlich noch ein kleines Kätzchen. Die Fassade der viel zu schnell erwachsen gewordenen Jungkatze fällt und das verspielte Kätzchen kommt zum Vorschein.

Bereits zeitig in der Früh rauscht einer der beiden (Coco hält sich hier vornehm zurück) übers Bett und platziert eine Feder im Bett – das ist natürlich die Einladung für den anderen sie hemmungslos durch die Gegend zu fetzen.
Dankeschön, wir sind jetzt auch wach.

Bijou fordert ihre Rechte ein

Die dritte (und letzte?) Schranke fällt

Bijou sitzt vor dem Bücherschrank und maunzt kläglich. Sie weiß genau, dass der Federwedel dort drinnen griffbereit liegt und fordert ihre Spielstunde energisch und selbstbewusst ein.
Mit Erfolg natürlich – unser kleiner Schatz (das ist ja die Übersetzung von Bijou) bekommt was sie möchte.

Und dann sitze ich gemütlich vor dem Rechner, arbeite an einem verzwickten Algorithmus und Bijou setzt sich neben mich und fordert.
Du nein, jetzt kann ich nicht spielen, bissi später bitte.

Sie will nicht spielen.
Sie will ihren Kopf mit aller Gewalt in meiner Hand vergraben, über die Ohren streichen, immer und immer wieder. Sie quietscht dabei, sie schnurrt dabei, Körper angespannt als wollte sie flüchten und gleichzeitig arbeitet sie sich kräftig in meine Hand.
Sie wirkt so zerrissen, zwischen Vertrauen und Flucht,
aber sie hat’s geschafft,
sie will aktiv bei uns sein und fordert ihren Platz in unserer Familie energisch ein.

Und ich sitz’ da mit Freudentränen in den Augen.

Coco, die Chefsekretärin

  • Bijou’s Auge tränt wieder?
    Coco kümmert sich und putzt sie ausgiebig.
  • Maurice ist lästig und muss unbedingt den Chefplatz oben am Katzenbaum belegen?
    Coco weist den Kleinen in die Schranken.
  • Vor dem Fenster passieren Bauarbeiten?
    Coco schätzt die Situation kühl und routiniert als nicht unbedingt lebensgefährlich für die Gruppe ein,
    alle kommen und bewundern die spannenden und aufregenden Tätigkeiten da draussen.
  • Wir fahren zum Tierarzt und fragen uns wie wir alle drei in die Transporttaschen bekommen?
    Coco sitzt bereits drinnen und geht mit perfektem Beispiel voran.
  • Es kommt Besuch in die Wohnung?
    Coco entscheidet (nach kurzer Rücksprache mit uns) dass das okay ist und die gesamte Bande folgt ihrem Beispiel.

Coco ist die Ruhige, die Besonnene, die Erwachsene.
Sie ist meine rechte Hand, meine unverzichtbare Chefsekretärin. Sie hat die Gruppe perfekt im Griff, sie gibt das Tempo vor.

Coco macht mir ein wenig Angst.
Sie zeigt mir genau was sie will und braucht (und ich bin oft zu naiv um sie zu verstehen).
Mit einer Eselsgeduld lotst sie uns alle durch den Alltag und bringt mir so vieles dadurch bei.
Und ich habe Angst ihr nicht zu genügen. Wenn sie neben mir auf dem Schreibtisch sitzt und mich mit ihren unergründlich tiefen smaragdfarbenen Augen leicht tadelnd ansieht, komme ich mir vor wie ein Erstklässler der die Hausübung vergessen hat.

Sie ist mir niemals böse deswegen, aber ich habe den Eindruck sie amüsiert sich etwas über meine linkischen Versuche sie zu verstehen.

Der alltägliche Zirkus

Und während ich hier am Schreibtisch sitze und die Ereignisse der letzten Tage zusammenfasse hoppelt die kleine Quietschmaus Bijou vergnügt ins Körbchen das neben meiner Tastatur steht, Maurice liegt wie immer unter dem Schreibtisch auf meinen Füssen und Coco sitzt auf dem Drucker und überwacht ob wir uns eh alle brav benehmen.

Für ein paar Stunden kehrt Ruhe ein .. oder bis Bijou eine Fliege entdeckt .. oder Maurice eine Runde mit dem Raumschiff (also, dem automatischen Katzenklo) drehen muss .. oder Coco eben meint, dass es Zeit wäre die Federmaus (ja, FEDERMaus, also eine Stoffmaus, gefüllt mit Katzenminze mit Federn dran) durch die Gegend zu klatschen.

Wie ruhig war unser Leben noch vor drei Monaten. Wie chaotisch, fordernd, aufregend, liebevoll, verschmust sind unsere Tage jetzt. Wir würden nicht zurücktauschen, nicht für alles in der Welt.

(NEIN, nicht einmal um 2 in der Früh.)

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