With or Without You
Es begann eigentlich ganz harmlos

Maurice frisst wenig.
Für einen Jungkater der groß und stark werden möchte zu wenig.
Er nimmt an Gewicht zu, aber viel zu langsam.
Die ursprüngliche Arbeitshypothese war ja – wie unlängst berichtet – der Zahnwechsel, der ihm das Fressen für einige Zeit durchaus verleiden könnte.
Die Tierärztin hat uns ein schmerzstillendes, entzündungshemmendes Mittel gegeben, wir haben das Futter leicht unter Zimmertemperatur angeboten, die Häppchen verkleinert, wir dachten die Sache wäre ausgestanden.
Weil Maurice die Tierärztin gerne mag (und sie ihn auch) haben wir kurze Zeit danach einen Kontrollbesuch vereinbart, sicherheitshalber eine Kotprobe mitgenommen und den Kleinen nochmals durchgecheckt.
Befund Giardien

Ooookay, damit hätten wir nicht gerechnet – ausser vermindertem Appetit und dadurch langsamer Gewichtszunahme gab’s keine Symptome. Kein Durchfall, kein Erbrechen, keine Verhaltensauffälligkeit.
Ist aber keine große Sache, die drei (die beiden Damen werden sicherheitshalber mitbehandelt) bekommen für einige Tage das entsprechende Medikament, in zwei Wochen ist alles überstanden.
Wie bringt man eine (halbe) Tablette in die Katze?

Überraschend einfach – Leberwurstpastete auf’s Schälchen, halbe Tablette oben reingesteckt (nicht einmal versteckt, einfach wie eine Kirsche obendrauf gelegt) und den Patienten reihum angeboten. Das war’s auch schon, wurde von allen dreien anstandslos verputzt. Mit energischem Beharren auf Nachschub.
Also – Nachschub an Leberwurstpastete. Nicht unbedingt noch eine Tablette.
Am Abend nach dem Tierarztbesuch gab’s also die erste Medikamentenrunde,
wir lassen den Tag gemeinsam nett ausklingen, morgen geht’s weiter.
Der erste Morgen nach der Behandlung
Die drei Kobolde hopsen mit Schwung (und Spiralfedern im Maul) aufs Bett und starten den allmorgendlichen Ablauf – bisserl schmusen, bisserl spielen, in die Teeküche trappsen und während der erste Espresso durchläuft das Futter vorbereiten.

Moment, bitte was?
Maurice hat sich bisher noch nie übergeben .. ich weiß dass er das Futter nicht sonderlich mag, aber das ist jetzt doch wirklich übertrieben.
Etwas passt nicht

Innerhalb von zwei Stunden hat sich Maurice dreimal übergeben.
Das bisserl Futter das er zu sich genommen hat ist größtenteils wieder draussen.
Packungsbeilage
Erbrechen und Durchfall sehr selten,
bei < 1 Tier / 10 000 behandelten Tieren
Und ausgerechnet Maurice sollte dieser eine Glückspilz unter 10 000 Kandidaten sein?
Maurice hat heute abend einen Termin bei seiner Lieblingstierärztin.
Fazit des heutigen Tages
Besuch bei der Tierärztin

Auf der Fahrt zur Tierärztin war er viel zu ruhig.
Apathisch.
Die Lymphknotenschwellung ist zurückgegangen,
die Temperatur ist in Ordnung,
er ist nicht einmal wirklich dehydriert.
Aber er mag seinen Bauch nicht untersuchen lassen.
Am Röntgen wird ersichtlich dass der Darm gefüllt ist und hier, hier ist eine dunkle Stelle.
Nach dem Ultraschall geht dann alles sehr schnell.
Die Infusion wird abgehängt, Maurice zärtlich zurück in die Transporttasche gelegt, und während wir noch alles einpacken ist die Tierklinik bereits benachrichtigt.
Wir rauschen in die Stadt, 45 Minuten lang zieht die Landschaft an uns vorbei, grasende Rehe auf dem Feld rechts neben der Autobahn, Abendverkehr, müde Menschen auf dem Heimweg.
Peter und ich blicken uns über den Rückspiegel hinweg an, stilles Einverständnis.
Die Klinik
Wir werden bereits erwartet, die Formalitäten gehen sehr schnell, alles dreht sich um Maurice. Eine Unterschrift später ist er bereits im OP.
Für eine Verabschiedung reicht die Zeit nicht.
Bis hierher habe ich mich tapfer gehalten,
kühl und rational gemeinsam mit meinem Mann alles Notwendige für unseren Kater getan,
Entscheidungen getroffen und alles in die Wege geleitet,
aber jetzt prallen die Emotionen mit einer unglaublichen Wucht auf mich.
Ich habe ihnen nichts entgegenzusetzen und verwandle mich noch im Sprechzimmer in ein tränenüberströmtes heulendes Häufchen Elend.
Die Klinik ist perfekt. Der Spagat zwischen Empathie und Professionalität, eine perfekte Aufklärung über die Prozedur, der behutsame Umgang mit dem Kater gibt uns das Gefühl dass Maurice hier in besten Händen ist.
Darminvagination

Nach etwas über zwei Stunden – wir sitzen zuhause, telefonieren ausgedehnt mit der Züchterin (sie hat uns phänomenal gut durch die gesamte Situation gecoached, war permanent in Kontakt mit uns, der Tierärztin, der Klinik) – kommt der erlösende Anruf.
Nachricht aus der Tierklinik
Maurice hat’s gut überstanden.
Die Operation ist gut verlaufen, 15cm des Darms wurden entfernt. Maurice hat’s gut überstanden, er ist bereits am Aufwachen.
For the Night Is Dark and Full of Terrors
Normalerweise ist es egal was ich im Haus mache – kochen, essen, programmieren, putzen, duschen – Maurice weicht mir keinen Schritt von der Seite. Selbst wenn ich in einen für ihn verschlossenen Raum (der Serverraum ist jetzt wirklich kein Platz für einen Jungkater) gehe, liegt er der Länge nach vor der Tür bis ich wieder rauskomme. Und dann wird Wiedersehen gefeiert, auch wenn ich nur für eine Minute unsichtbar war.
Seit 2½ Monaten ist Maurice Bestandteil unseres Lebens.
Und jetzt soll ich ohne unseren Kater zu Bett gehen. Kein zartes Tappsen über die Stufen als Echo meiner Schritte, kein Gurren neben dem Waschtisch, kein traktormässiges Schnurren zum Einschlafen.
Die beiden Russinnen schauen kurz vorbei, gehen dann aber wie üblich ihrer eigenen Wege.
Die Nacht dauert ewig.
Der Tag nach der Operation
Wir bereiten uns auf die Zeit “danach” vor.
Die Diätvorschriften, die Nachsorge, der neue Alltag für die nächsten 2 bis 3 Monate.
Nachricht aus der Tierklinik
Die Nacht ist ausgezeichnet verlaufen,
Maurice ist munter, neugierig und hat bereits in der Nacht gefressen.
Die Züchterin, die Tierärztin, alle bleiben in der Loop, die Kommunikation funktioniert perfekt.
Wir fühlen uns sicher und gut aufgehoben, sind für alle Eventualitäten gerüstet.
Und wir warten auf die Freigabe dass Maurice wieder nach Hause darf.
Letztendlich bleibt er zwei Nächte in der Klinik.
Ham kummst
Letzte Nocht, woa a schware Partie fia mi …
Am frühen Vormittag kam der heissersehnte Anruf von der Tierklinik, um zehn Uhr wäre Maurice reisefertig.
Peter holt mich aus Baden ab, wir schnappen Notizblock, Handtuch und eine robuste Tragetasche (in Erwartung des Spezialfutters das für die nächste Zeit vermutlich nötig wäre) und rauschen nach Wien.
Wir werden freundlich empfangen, bekommen ein ausführliches Briefing, eine Mappe mit den Empfehlungen für die nächsten Tage, einen kleinen Beutel mit den Schmerzmitteln, wir stellen unsere Fragen (Fütterung, Output, Spielen), Peter erledigt das Finanzielle, alles ist bereit, wir warten auf Maurice.
Die schwarze Tasche mit Maurice in einem OP-Body drinnen neben mir sitze ich im Fond des Wagens, er weiß noch nicht dass es nach Hause geht. Während der Fahrt wird er unruhig, versucht krampfhaft aus der Tasche zu kommen – das macht er normalerweise nicht.
Okay – deswegen. Bis wir zuhause sind, wird er sich zweimal angeschissen haben, der Gestank ist chemisch, fremd. Und der Kater hockt mittendrin.
Zuhause schlüpf’ ich aus den Jeans (das Zeug ist durch die Tasche durchgesickert) und stell mich mitsamt dem Kater und der Tasche in die Dusche. Stück für Stück reich’ ich meinem Mann den Impfpass raus, dann die kuschelige Liegefläche, die restliche besudelte Tasche.
Der Kater und ich duschen.
Die Badezimmertüre haben wir in weiser Voraussicht geschlossen,
sieben Handtücher und drei Mikrofasertücher später sind wir wieder halbwegs präsentabel.

Der Kater maunzt an der Türe, will dringend aus dem Badezimmer. Noch zu früh, bitte noch abtrocknen!
Maurice hoppelt mit Schwung in die Badewanne, setzt sich über den Abfluß und .. Blut.
Vermischt mit ein wenig Kot.
Braver Maurice.
Wir säubern den Kater, wir putzen die Wanne. Das Spiel beginnt von vorne. Und nochmals und nochmals.
Die letzten zwei Male nur noch kleinste Mengen, kein Kot mehr, nur noch einige Tropfen Blut.
Mittlerweile sind wir soweit trocken dass wir die Badezimmertüre öffnen,
draussen warten Coco & Bijou, beschnuppern Maurice, flehmen ein wenig und dann ist auch schon wieder alles in Ordnung.
Unser Supportnetzwerk fängt uns auf.
Wir telefonieren unzählige Male mit unserer Tierärztin, mit der Züchterin, die beiden untereinander und auch noch einmal mit der Klinik.
Wir sind im grünen Bereich.
Es ist Abend geworden ..
.. die Waschmaschine und der Trockner haben ihren Job brav getan, 4 Maschinen Wäsche sind’s letztendlich geworden.
Maurice hat gefressen – Miniportionen, feinst püriert, mit einem Churu druntergemischt. Er hat Hunger, von diesem Appetitanreger kann er nicht satt werden – armer kleiner Kater.
Er liegt mit Bijou gemeinsam in der warmen Sonne, er holt verspielt die frisch gewaschenen Handtücher vom Wäscheständer, er putzt sich, er döst.

Und irgendwann kommt dann die ganz große Müdigkeit, er legt sich auf meinen Platz auf der Couch, gurrt zärtlich bis ich mich zu ihm setze, wir schmusen, ich kämme vorsichtig seine Hoserl, er schnurrt, offeriert mir den Bauch, alles ist gut.
Kurze Zeit später schläft er ein .. kämpft kurz dagegen an, aber der Kopf wird schwer, die Augen fallen zu und er atmet gleichmässig. Einige Male wird er im Schlaf unruhig, ich streichle ihm sanft über den Nacken, er beruhigt sich instant und schläft weiter.
Mist, ich müsste schön langsam wirklich auf’s Klo. Ganz vorsichtig drehe ich mich weg und schleiche mich aus dem Zimmer um ihn nicht zu wecken.
Als ich zurückkomme ist mein Platz besetzt. Coco hat sich zu ihm gelegt. Wenn er unruhig wird hat sie eine Pfote in seinem Nacken, putzt ihn kurz bis er wieder schläft.
Coco ist nicht umsonst hier die Chefin.
Auf dem richtigen Weg (dritter Tag Post OP)


Bijou hilft mir mit der Wäsche, Coco bettelt um Keksi und Maurice schläft selig ganz oben im Katzenbaum.
Die Nacht ist ruhig verlaufen, die Truppe schlief wie üblich an allen möglichen und einigen unmöglichen Orten, die befürchteten wilden Verfolgungsjagden fanden nicht statt.
Nachdem Maurice überraschenderweise bereits Nassfutter (wenn auch in Kleinstmengen und allerfeinst püriert) fressen darf, behelfen wir uns bis zum Nachmittag (da trifft das Spezialfutter mit erhöhtem Kaloriengehalt ein) mit Paté und Churu, akribisch zerkleinert und häppchenweise verfüttert.
Soweit ersichtlich dürfte es ihm gut gehen.
Ein aktiver, neugieriger, verschmuster Jungkater, es ist schwierig ihn dazu zu bewegen sich etwas zu schonen.
Das große Pflaster über dem Bauch klebt noch fest, er hat brav drumherum geputzt aber nicht versucht sich davon zu befreien.
Braver, tapferer Maurice.
Tablettengabe spezial
Ich stell ihm ein Tellerchen mit der üblichen Leberwurstpastete hin, garniert mit einer gedrittelten Schmerztablette
(fragt nicht wie man eine Tablette drittelt … ).
Maurice schlendert nonchalant ins Büro, schnuppert, zupft sich die Tablette, kaut gemächlich nachdenkend, dreht um und geht schlafen.
Das Leberwursthäufchen liegt einsam und verlassen traurig auf einem Tellerchen mitten in meinem Büro.
Katzen sind komisch.
Noch nicht über den Berg (7. Tag Post OP)

Es ist ein Auf und Ab. Wenn wir uns die Gewichtskurve ansehen – ein eindeutiges Ab.
Der Kater verliert weiter an Gewicht, seit der Operation sind (in nur einer Woche) 30 dkg verschwunden,
Ich traue mich kaum den Kater anzufassen, einerseits die Operationswunde, andererseits wirkt er so zerbrechlich, Haut und Knochen.
Das Pflaster über der Naht hat sich etwas gelöst, somit ab mit Maurice in die Tasche und rüber zur Tierärztin.
Er läßt sich abtasten, beim Verbandwechsel ist er nicht ganz glücklich (okay, das wäre ich auch nicht wenn man mir ein gutsitzendes Pflaster aus dem Fell holt), er ist nicht dehydriert, keine Temperatur.
Keine Anzeichen einer Infektion, die Wunde heilt schön zu.
Maurice schmust mit der Tierärztin (dieser kleine Filou), wir packen noch etwas Spezialfutter mit in die Tasche, es geht heimwärts.
Maurice mag die Rosenheim Cops

Gut.
Ich gebe es zu.
Nach einem langen, anstrengenden Tag, wenn es für anspruchsvollere Unterhaltung kognitiv einfach nicht mehr reicht, schmeissen wir uns ganz gerne auf die Couch und schauen Rosenheim Cops. Eh klar, wer könnte dem Charme eines Michi Mohr widerstehen?
Maurice wird unruhig in seiner Tasche (letztes Wochenende haben wir auf der Haustiermesse eine brandneue SturdiBag erstanden um dem Katerchen bequemeres Reisen zu ermöglichen – und die Tasche ist wirklich super!), es sind noch 20 min auf dem Weg vom Tierarzt bis zuhause,
ich schnappe das iPad, starte eine Folge mitten in einer Szene mit Michi und setze es Maurice vor die Nase.
Maurice lümmelt sich bequem in seine Tasche und schaut Rosenheim Cops.
Fehlt nur noch das Popcorn.
Schaumgebremster Kater
Ganz langsam kommt wieder die Routine durch.
Maurice kommt frühmorgens auf’s Bett, beginnt energisch die Bettdecke (und somit die drunter liegende Alexa) durchzukneten und weckt mich mittels energischem Schnurren.
In die Teeküche schlurfen, Kaffeemaschine aufdrehen, die drei Nassfutterschälchen füllen, die ungefutterten Überreste des gestrigen Abends entsorgen und dann zufrieden den ersten Kaffee trinken während die Truppe die erste Mahlzeit des Tages einnimmt.
Maurice bekommt Miniportionen, sein Darm ist frisch genäht und darf nicht überfordert werden.
Mindestens fünfmal am Tag fülle ich sein Schälchen, er nimmt ein paar Bissen und geht wieder, die Fressattacken direkt nach der Operation sind Geschichte – Maurice ist nicht mehr hungrig.
Nicht gut.

Die fehlende Energie merkt man natürlich.
Spielen? Muss ja nicht sein .. zweimal die Beute betatschen reicht, danach legt er sich hin und sieht zu wie Bijou die Federangel durch die Wohnung hetzt.
(NEIN, natürlich wird mit Maurice “anders” gespielt! Beute vor die Nase, genug um den Spieltrieb zu kitzeln,
aber keine plötzlichen oder stark dehnenden Bewegungen – ist aber eh klar, oder?)
Sogar die Kugelbahn hat ihre Faszination verloren, stundenlang lag ich mit ihm neben der Bahn und wir haben uns gedankenverloren die Kugel zugerollt, Maurice geht daran vorbei und legt sich in sein Körbchen auf der mittleren Etage des Katzenbaums.

Maurice benützt das Katzenklo. Das linke, dann das rechte. Dann geht er ins untere Stockwerk und geht sicherheitshalber nochmals aufs Klo. Hach, da steht ja noch eines – soll ich?
Der Darm funktioniert, Maurice setzt ab. In Miniportionen. Fingernagelgroße Stückchen – an einem Rekordtag waren’s über 25 Toilettengänge (Home Automation sei Dank – alles in einer netten Grafik mitdokumentiert). Der arme Kater.
15cm Darm fehlen, alles muß sich neu einspielen, und Schmerzen gibt’s dann ja auch immer wieder noch.
Maurice döst.
Maurice schläft.
Wir machen uns Sorgen.
Meldezettel beim Tierarzt (8. Tag Post OP)

Maurice frisst zum Frühstück 15g Nassfutter, dreht um und geht schlafen.
Er schläft und döst den ganzen Tag.
Hat er Schmerzen?
Ich überrede ihn sanft, ein Mittel zu nehmen, warte ab.
Er schläft und döst.

Das neue Pflaster über der Naht hat sich gelöst (er putzt aber auch sehr anständig und brav), hängt nur noch an einem Zipfelchen unter dem Bauch.
Ich schnappe mir Maurice, lege ihn sanft auf meine Knie und beginne ihn neu zu verbinden. Hält nicht. Das Fell beginnt nachzuwachsen, auf dem samtenen Untergrund funktioniert der Softkleber nicht wirklich.

Wir haben ja noch den Ganzkörperbody. Ich stopfe Maurice so sanft wie nur irgendwie möglich hinein – es muss ihm wirklich mies gehen, er wehrt sich nicht, wie eine Stoffpuppe hängt er schlaff da und lässt alles über sich ergehen. Ich schließe die Druckknöpfe – armer Maurice. Er steht auf, geht zwei, drei wankende Schritte, sieht mich mit einer Mischung aus Verachtung und Resignation an und ist in zwei Atemzügen aus dem Body wieder draussen.
Das war wohl nix.
Nächster Anlauf: Ich schnappe mir eine Vlieskompresse und klebe den Kater flächendeckend mit Leukoplast zu.
Wenn das auch nichts hilft – Endstation Gaffa Tape.
Tierärztin – schon wieder
Wir mögen die Tierärztin.
Maurice liebt die Tierärztin.
Die Tierärztin ist in Maurice verliebt.
Na dann passt ja eh alles. Wir füllen demnächst vermutlich einen Meldezettel für Maurice bei der Tierärztin aus.
Erraten, wir sind schon wieder da.
Er hat Schmerzen, schläft, döst und seit dem Nachmittag schon beinahe wieder apathisch.
Er frisst nicht.
Er versteckt sich, liegt unter der Couch, liegt hinter dem letzten Winkel unterm Katzenbaum.
Wir rasen rüber.
Röntgen – Ultraschall – Fieber – Ganzkörperuntersuchung, das ganze Programm.
Einige Nebenbefunde, ein auffälliger Lymphknoten im Bauchraum und plötzlich steht da ein ganz anderes Wort im Raum.
FIP.
Die Ultraschallspezialistin (9. Tag Post OP)

Maurice hat heute einen Termin bei der Ultraschallspezialistin.
Gestern wurden Videoaufnahmen seiner Darmbewegungen erstellt, heute wird im Vergleich zu gestern das ganze nochmals bewertet.
Damit die Spezialistin auch etwas zu sehen bekommt, weckt uns ein überaus aktiver, verschmuster und süßer Maurice um 03:00 früh und meint, dass er jetzt Hunger hätte.
Zu verschlafen um zu registrieren was jetzt überhaupt los ist schlurfe ich in die Teeküche und bereite ihm ein Schälchen mit seinem Spezialfutter.
Bis zum “richtigen” Guten Morgen wird er die gesamte Portion verputzt haben.
Okay.
Der Termin selbst brachte einige Nebenbefunde und weitere Verdachtsmomente – und einige Schimpfer weil Maurice nicht nüchtern zur Untersuchung kam.
ABER: die operierte Stelle ist dicht, die Passage funktioniert, im gesamten Darm keine Blockade zu erkennen. Wir sind massiv erleichtert.
Warten auf die Pathologie
Das Gewebe das bei der Lymphknotenbiopsie aus dem Bauchraum entnommen wurde geht jetzt in die Pathologie, wir wollen auf Nummer Sicher gehen, das Ergebnis bekommen wir in etwa 10 Tagen.
Bis dahin futtert er (mit Begeisterung) seine Antibiotika um das Problem mit der Harnblase in den Griff zu bekommen. Er ist weiterhin müde und matt, aber er zeigt Anzeichen einer Besserung.
Leben mit gezogener Handbremse
Das Leben wird einfacher, vieles das sonst den Tag bestimmt tritt in den Hintergrund, ordnet sich den Bedürfnissen von Maurice unter.

so liebhaben?
Ist das okay für uns? Auf jeden Fall!
Wir feiern jedes Gramm Futter das er gefressen hat, jedes Mal Katzenkisterl leeren wenn er erfolgreich abgesetzt hat, wir feiern jedes Anzeichen dasses unserem Katerchen besser geht.
Wir machen Pause (10. Tag Post OP)

Es ist der 10. Tag Post OP, heute sollten eigentlich die Fäden gezogen werden. Bei der gestrigen Untersuchung haben wir die Naht inspiziert, beschlossen dass wir noch einen Tag warten, an einer Stelle könnte die Wundheilung noch ein wenig besser sein.
Das gesamte Prozedere hat ihn soviel Kraft gekostet, und obwohl er inzwischen wieder (kleine Portionen) futtert, hat die Waage heute früh wieder weniger angezeigt. Mittlerweile hat er 40dkg an Gewicht verloren.

Wir beschließen – wir machen heute einfach Pause.
Klar, die Medikamente müssen sein, aber heute gibt’s keinen Besuch bei der Tierärztin,
heute gibt’s keine Probleme, keine schlechten Nachrichten, keine Sorgen.
Wir nehmen uns heute einfach einen Tag Urlaub.
Maurice kuschelt und schnurrt (endlich wieder!)
Bijou passt aufmerksam auf dass ich auf dem Weg in die Waschküche nicht verloren gehe und prüft anschließend ob die frisch getrocknete Wäsche auch ihren Ansprüchen als Schlafplatz genügt.
Und Coco zeigt mir unmissverständlich wo die Keksi versteckt sind.
Leben kann so einfach und so schön sein!
Über’m Berg (3 Wochen Post OP)

Die Nähte sind gezogen, die letzten Medikamente aufgebraucht und über der Operationsnarbe wächst ein zarter Flaum.
Maurice kuschelt, spielt, rauft und vor allem – futtert.
Die Verdauung – klar, muß sich erst einspielen, die Operation ist noch nicht so lange her und es wurde mit 15cm doch relativ viel vom Darm entfernt.
Es gibt noch problematische Tage, aber die werden seltener.
Darmlängenvergleich
Lebewesen31195_d8c58e-3a> |
Verhältnis Körperlänge zu Darm31195_8d8798-2f> |
|---|---|
|
Katze 31195_7f4151-4b> |
1 : 3 31195_93e677-41> |
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Mensch 31195_51fc61-a8> |
1 : 4 31195_7e2447-e3> |
|
Hund 31195_82e2f7-e3> |
1 : 4 31195_db2bcf-1a> |
|
Pflanzenfresser 31195_d77288-2b> |
1 : 24 31195_f0e856-ad> |
Der Pathohistologische Befund
Anfang dieser Woche kam der Pathohistologische Befund – die Ultrakurzversion davon:
Das war noch die letzte große Hürde – ja, vermutlich wäre die pathologische Untersuchung des Materials nicht unbedingt nötig gewesen, aber hätten wir es uns jemals verzeihen können wenn sich im Nachhinein herausgestellt hätte, daß …?
Der Aufwärtstrend
Mit diesem Freibrief in der Tasche und nur noch gelegentlichen verdauungstechnischen Herausforderungen futtert sich Maurice genüßlich durch’s gesamte Sortiment unserer Katzenfutterstation – und das Ergebnis kann sich endlich wieder sehen lassen!

Es ist schön zu sehen daß es mit unserem Katerchen wieder rapide bergauf geht,
mittlerweile hat er das Gewicht vor der Operation nicht nur wieder erreicht sondern endlich auch übertroffen.
Danke an alle die so tatkräftig mitgeholfen haben!
Ohne eure Hilfe hätten wir dieses Abenteuer niemals durchstehen können – Danke – Danke – Danke!
